home/aktuell > editorials > Konzertrückblick Berlin 2004

 

 

DK Newsletter:

 
 
www.dkrall.de

suchen/search

 

Konzert Rückblick
 

Diana Krall – live in Berlin, ICC, 25.10.2004
Fred Astaire guckt schon mal vorbei

Da war sie nun wieder. In Berlin. Eine Stadt in die sie nach eigener Aussage immer unglaublich gerne zurückkommt und stets versucht, sich einen Extra-Tag zum bummeln freizu-halten.

Zum ersten Mal stand Diana nun auch in Deutschland mit dem neuen Material ihres jüngsten Albums „The Girl in the Other Room“ auf der Bühne und der rege Applaus bereits beim Anspielen einiger der einprägsamen Eigenkompositionen zeugt von der enormen Popularität der frischen Songs. „The Girl In The Other Room“, ein rauchiges Film-Noir Metapher und „Abandoned Marquerade“ – beide in Zusammenarbeit mit Ehemann Elvis Costello entstanden – sind dem Gros der Zuhörer bereits vertraut.

Und Diana hat es den Berlinern eindeutig angetan, was auf Gegenseitigkeit beruht. Sie stieg einmal mehr mit dem wohlbekannten „I Love Being Here With You“ in den Abend ein – einer schnittingen Peggy Lee Nummer und seit mehreren Jahren einer ihrer Konzert-Aufwärmer. Das darf Berlin persönlich nehmen. Das Aufwärmen, Herantasten an die Stimmung des Publikums und das Gefühl für die Band, ist über die ersten zwei-drei Titel wichtig. „All Or Nothing At All“ gehört dazu. Gitarrist Anthony Wilson begleitet Diana bereits seit mehreren Jahren sowohl im Studio als auch auf ihren Welt-Tourneen. Seine Vielseitigkeit, die auch der neuen Singer-Songwriter Richtung eine einfühlsame und doch virtuose Note verleiht, macht ihn zur Idealbesetzung für den krallschen Sound. Ein neues Gesicht ist auch Schlagzeuger Peter Erskine. Sein Ruf, derzeit bester Jazz-Drummer zu sein eilt ihm voraus und war an diesem Wochenende selbst im Irischen Cork bei dortigen Jazzfestival nicht zu überhören - sein Ruf, nicht sein Spiel. Und er hält was er verspricht. Einfallsreich und überlegen. Bassist Bob Hurst, der seit einigen Monaten mit von der Partie ist, erinnert im Stil sehr an Paul Keller. Besonders die neuen Songs haben starke Bass-Linien und Bob spielt diese kraftvoll in den Vordergrund wo sie im Grunde auch hingehört. Tom Waits’ „Temptation“ ist da nur ein Beispiel.

Aber das verhältnismäßig enthusiastische Publikum bedachte besonders die altbekannten Standards wie „East Of The Sun And West Of The Moon“ oder „Let’s Face The Music And Dance“ mit begeistertem Applaus. Die Leichtigkeit mit der ein einfühlsamer Wechsel von Jazz Klassikern und blutjungen Krall/Costello Stücken gelang zeugt einmal mehr von Diana Krall’s überdimensionalen Musikalität und Gefühl für das was geht.

Noch beeindruckender als gewohnt erhielt Diana’s atmeberaubendes Klavierspiel eine große Menge Freiraum. Nicht nur legte sie auf halber Strecke ein intimes Solo-Stück - „But Not For Me“ – vor, sondern bestritt sämtliche der vier Zugaben allein am Flügel. Ein leichtfüßiges „On The Sunny Side Of The Street“ und das sehr persönliche „’S Wonderful“ waren Teil dieses abschließenden Medleys, das sie eindeutig genoss.

Das Zusammenspiel des Quartetts befand sich in einer Dimension, die nur selten erreicht wird in derartigen Hallen deren Kongress-Architektur nichteinmal versucht, sich hinter erzwungener Eleganz zu verbergen. Größtenteils dank des hervorragenden Sounds, wie uns Diana Krall anschließend selbst bestätigte machte ihr dieser Gig jedoch eine Menge Spaß sodass sie die übrigen Umstände angenehmer Weise zur Nebensache degradiert.

Zuletzte füllte sie die Philharmonie. Das war im Februar 2001. Nun sollte man meinen, nach zusätzlichen Grammy-Nominierungen und zwei weiteren enorm erfolgreichen Alben („Live In Paris“ und „The Girl In The Other Room“) würde der Saal 1 des ICC schier platzen. Dass das Auditorium gut gefüllt aber eben nicht auf den letzten Platz ausverkauft war, müssen wir leider dem unglücklich gewählten Veranstaltungsort und den auf ein unakzeptables Maximum gesteigerten Eintrittspreisen in die Schuhe schieben. Ein krallscher Konzertabend wird dadurch allerdings in keiner Weise zu einem geringeren Erlebnis.

nvm

 


© 2001- by nadworks | nadja von massow -- alle Rechte vorbehalten. Dies ist eine inoffizielle Website. Bei Fragen zu oder technischen Problemen mit diesen Internetseiten, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. -- Bitte lesen Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.