home/aktuell > editorials > Konzertrückblick Hamburg 2002

 

 

DK Newsletter:

 
www.dkrall.de

suchen/search

 

Konzert Rückblick
 

Diana Krall – live im CCH in Hamburg, 08.09.2002
Es hätte endlos so weitergehen können

Man könnte es Zuschauerlampenfieber nennen, dieses Gefühl als enthusiastischer und begeisterungsfähiger Fan inmitten eines rund 2500-köpfigen Publikums zu sitzen, den unmittelbaren Beginn eines Diana-Krall-Konzerts erwartend und nicht zu wissen, was man für Leute um sich hat. Was, wenn man als einzige in der Stimmung ist, seiner Euphorie freien Lauf zu lassen, während die Masse im Saal später nicht richtig in der Lage sein wird, mitzugehen, mitzumachen, Begeisterung zu zeigen? Was, wenn es niemand gewöhnt ist, in der Mitte einer Nummer zu applaudieren, Anthony Wilson bei seinen sagenhaften Gitarren-Riffs anzufeuern, Jeff Hamilton's achselhöhlenüberschwemmende Schlagzeug-Soli zu beklatschen? Man ist einwenig nervös, dass diese Diana Krall irgendwann plötzlich zu denken beginnt, sie säße einer etwas drögen, schwer zu motivierenden, schlicht langweiligen Zuschauermenge gegenüber. Und man selbst wäre einer davon gewesen.

Wenn besagtes Konzert auch noch im Hamburger Congress Center stattfindet und man sich der hanseatisch-zurückhaltenden Kühle bisher stets bewusst war, mag man das schlimmste erwarten.

Nichts jedoch war von alledem zu spüren am Sonntag Abend des 08. September. Diana und ihre drei Jungs - der phantastische Pierre Boussaguet am Bass machte das Quartett vollständig - brauchten nicht lange, bis das Publikum mindestens genauso locker war, wie die Musiker auf der Bühne. Als sei man persönlich zu einer kleinen privaten Session in einen mittelgroßen Jazzkeller eingeladen, wurde eine Atmosphäre erzeugt, die so von Spontaneität und Spaß am Improvisieren geprägt war, wie man es sich zuvor in diesem fast ausverkauften Saal 1 des CCH nicht hätte erhoffen können. Selten hatte Diana Krall so relaxed, so unprätentiös gewirkt. Locker drehte sie sich auf ihrem Klavierhocker um 180° um Anthony Wilson genüsslich bei seinem Solo im Markenzeichen-Auftaktsong "I Love Being Here With You" zuzuhören. Sie lachte mitten in "L-O-V-E" über den ihr plötzlich entfallenen Text. Und wie man es von ihr gewohnt war, sprach sie das Publikum nach der dritten Nummer "Let's Fall In Love" erstmalig an, eine kurze Standardbegrüßung, einwenig schüchtern, und von da an nur noch Kommentare, die ihr eben gerade in den Sinn kamen. Beiläufig, ohne diven-haftes Gehabe oder ausladende Gesten. In der Presse wird ihr das häufig auf oberflächliche Weise als Unterkühlung angekreidet. Aber große Reden schwingen ist ihr Ding nicht und nicht der Grund, weswegen sie seit nunmehr fast drei Jahren quasi non-stop Konzertsäle rund um den Globus füllt. Diana Krall's spontaner Humor auf der Bühne, schlagfertige Reaktionen auf die im Jazz durchaus üblichen lauthalsen Publikumseinwürfe und dass sie "ihren Job einfach liebt" (O-Ton) sind es, die uns neben der Musik mehr über diese Künstlerin verraten.

Ich mache keine große Show. Ich habe einfach nur tierisch viel Spaß hier oben und ich will das mit Euch teilen, ob Ihr wollt oder nicht... Das scheinte sie runterzusäuseln von der Bühne. Und das Publikum wollte. Wie immer fein ausgewogen zwischen Kraftnummern wie "All Or Nothing At All" in denen sich alle 4 auf atemberaubende Weise die Seele aus dem Leib improvisierten und sanften Bossa Nova Stücken, die zuletzt auf Dianas Album "The Look Of Love" den neuerlichen Durchbuch schafften, bereiteten die Künstler dem Zuschauer mehr als nur einen Abend voller erstklassiger Musik. Diana ist und bleibt in allererster Linie Pianistin und damit hält sie besonders bei Liveauftritten keinesfalls hinterm Berg. Besonders beeindruckende up-tempo Nummern wie "Devil May Care" bei dem sie präzise über die Tastatur raste, demonstrierten ihre unbestrittene Virtuosität. Ihre Whisky und Honig Stimme, ein rauchiger unaufdringlicher Alt, verleihte zudem Songs wie Burt Bacharachs "The Look Of Love" oder dem sentimentalen "Maybe You'll Be There" eine ozeanische Gefühlstiefe.

Die derzeit obligatorische Zugabe, Gershwins "S'Wonderful" fand nach der ersten stehenden Ovation statt. Dass daraufhin das Saallicht bereits anging, wurde vom begeisterten Publikum, das den tosenden Beifall rigoros durchzog, rücksichtslos ignoriert, so dass die einwenig perplexe Musikerin doch noch ein letztes Mal auf der Bühne erschien. Mit Elton Johns "Border Song" setzte sie ein weiteres Highlight. Nur ihre Stimme und Klavier, wie bereits zuvor im Joni-Mitchell-Klassiker "A Case Of You", hat besonders live eine gänsehauterzeugende Kraft.

Es hätte endlos so weitergehen können, aber Diana Krall war müde und man sah es ihr an. Zufrieden, dankbar, aber müde. Also ließ man sie ziehen. Nicht leichtfertig, aber man tat es.

nvm

 

 


© 2001- by nadworks | nadja von massow -- alle Rechte vorbehalten. Dies ist eine inoffizielle Website. Bei Fragen zu oder technischen Problemen mit diesen Internetseiten, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. -- Bitte lesen Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.