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Diana und Paul Keller setzen zum Sprung in den Kenwood Lake an - nass wurde allerdings niemand.
(Foto: natz)
www.dkrall.de

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Konzert Rückblick
 

Diana Krall – live in London, Hampstead Heaths Kenwood Lawn, 02. August 2003
Über den großen Teich in die Herzen

Diana Krall trat am Samstag Abend (02.08.2003) im Londoner Hampstead Heath auf und machte das beste aus einer eher unglücklichen Bühnenlokation. Traditionell lockt den Sommer über die Wiese unterhalb von Kenwood House in Londons zweitgrößtem Park mit einer Reihe unterschiedlicher Konzerte von Klassik bis Pop regelmäßig tausende picknickfreudige Briten an. Das Gelände ist malerisch, die Kulisse idyllisch und doch stört bei diesem ganz besonderen Auftritt zunächst ein ansonsten eher kosmetischer Faktor: zwischen Orchestermuschel und Zuschauern klafft ein rund 20m breiter schier unüberwindbar scheinender See. Was bei klassischen Konzerten weniger ins Gewicht fällt, hätte sich bei einem solch hochrangigen Jazz-Akt mit dem Anspruch auf größtmögliche Intimität und Interaktion mit dem Publikum als fatal erweisen können. Für eine Diana Krall, die sich zuletzt - wenn auch durch musikalisch glanzvolle Konzerte, so doch nicht unbedingt durch übermäßige emotionale Publikumsnähe auszeichnete -, möglicherweise ein letzter Schnitt durch die ohnehin bereits arg überspannte Nabelschnur zu ihren Zuschauern.

Doch es lässt sich ohne Übertreibung sagen, dass die Chanteuse an diesem Abend über das Wasser lief oder doch zumindest eine recht stabile Brücke baute. Sie kam mit ausladenden Armbewegungen auf die Bühne und imitierte an der Rampe einen Golf-Abschlag. Ein kurzer präziser Schwung mit dem neuner Eisen hätte jedoch weit weniger erreicht, als es die ersten Klänge von „I Love Being Here With You“ taten, die das Publikum sofort in ihren Bann zogen. Eine hervorragende Akustik und Dianas beinahe ungewohnt offene und entspannte Spiellaune taten ihr übriges. Die Improvisationen, besonders im rhytmus-intensiven „All Or Nothing At All“ und dem spannungsvollen Blues „Love Me Like A Man“ waren einmal mehr punktgenau gesetzt und wirkten doch spontan, locker und anstrengungslos natürlich. Besonders der phantastische Paul Keller am Bass erhielt viel Raum für virtuose Soli, während die stets grandiosen Anthony Wilson (Gitarre) und Jeff Hamilton (Schlagzeug) mit der gewohnten Leichtigkeit erneut in der Lage waren „noch eine draufzusetzen“. Dasselbe muß über Diana Kralls Klavierspiel gesagt werden. So facettenreich und innovativ hat man sie lange nicht gehört. Ihr musikalischer Drive an diesem Abend - sowohl gesanglich als auch instrumental - überwand nicht nur den vermalledeiten Ententeich, sondern erreichte auch die Gemüter der in gestreiften Sonnenliegen hängenden oder auf Picknickdecken hockenden Zuschauer, die zwar nicht die Disziplin eines sonst üblichen Saalpublikums aufbrachten, aber es dafür nicht an guter Stimmung fehlen ließen.

Stücke wie das Bossa-angehauchte, sommerlich wirkende "Let's Face the Music and Dance" sorgten für interessante Tempi-Variationen im sonst eher flotten Set, das lediglich mit Dianas atemberaubender Solo-Interpretation der Elvis Costello Ballade "Almost Blue" romantisch-tragische Gefilde betrat.

Ob die frenetischen Beifallsstürme am Ende des Konzerts sowie nach jeder der drei Zugaben (Gershwins „S’Wonderful“, Tom Waits „Temptation“ und Jodi Mitchells „A Case Of You“) ebenso berauschend bei dem fabelhaften Quartett auf der Bühne ankamen, wie sie jenseits des Wassers als Dank für die großartige Musik ausgesendet worden waren, bleibt nur zu hoffen. Zumindest schien es Diana auch zu außermusikalischer Improvisation verführt zu haben. Während ihre drei Bandkollegen den Song „Temptation“ noch rhytmisch ausklingen ließen, stand sie bereits langsam auf und trabte im Stile eines schlendernden Abgangs von der Bühne. Eine netter Ausbruch aus der sonst eher statischen Gestik.

Im Anschluss an das Konzert erfuhren wir sowohl von Diana als auch von Jeff, dass die aufgezwungene Distanz zwischen Bühne und Zuschauerwiese das Ganze doch recht schwierig gestaltet hätte. Sie habe sich gefühlt wie bei einer Probe, bei der zufällig irgendwo ein Haufen Menschen zugehört habe. Es ist schön zu wissen, dass auch Diana die Nähe und Intimität zu ihrem Publikum braucht, wenn es auch gelegentlich nicht unmittelbar so erscheint. Die grüne Jacke, die sie an dem Abend trug - auf die Entfernung peppiges grünes Blumenmuster, beim genaueren Hingucken aus nächster Nähe eher 60er-Jahre-Sofakissen - war klar das Objekt meiner Begierde. Leider wollte sie mit dem Namen des Ladens in Vancouver am Ende doch nicht rausrücken.

Wie es sich für ein Londoner Konzert dieses Kalibers gehört, tummelte sich im Backstage-Bereich eine Zahl illustrer Namen. Wir trafen u.a. auf den vielversprechenden Jazz-Newcomer Jamie Cullum, Edel-Talker Michael Parkinson, sein kakadisches Pendant Vicki Gabereau und natürlich den zukünftigen „Mr Krall“ Elvis Costello. Letzterer wird womöglich nicht ganz unschuldig an Dianas ausgesprochen guter Stimmung gewesen sein.

 Fotorückblick

nvm

 


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