home/aktuell > editorials > Konzertrückblick Wiesbaden 2003

 

 

DK Newsletter:

 

Reaktionen aus dem Publikum:

Liebe Fans,
ich hatte das grosse Vergnügen Diana Krall am 23.07.03 in Wiesbaden live zu erleben. Ich liebe Ihre Musik schon einige Jahre und habe jede CD von Ihr mit den Ohren ver-schlungen. Es war ein ganz grosses Erlebniss dort gewesen zu sein.Sie ist mit Ihrer Musik ein Teil meines Lebens geworden. Das Konzert war wunderbar, auch wenngleich sich dort einige stockfisch-ähnliche Menschen vor mir befanden, die sicher nur dort waren, weil die Firma eingeladen hatte... Diana Krall ist eine Offenbarung für den Jazz, die Musik und Ihre Fans.
(Ulla G.)


Liebe DK-Fans,
Ich hatte am 23.7.03 das erste Mal das grosse, unvergessliche Vergnügen DK live in Wiesbaden geniessen zu können.
DK ist einfach GENIAL. Vom ersten bis zum letzten Klang ihres Konzertes hatte ich Hühnerhaut, einfach umwerfend. Ich kannte DK nur von CD's und live kenne ich nur die "Live in Paris" doch Wiesbaden hat einfach alles geschlagen.

Allen DK-Fans kann ich nur wärmstens empfehlen jede Gelegenheit/ Möglichkeit zu nutzen, sie live zu erleben. Es lohnt sich wirklich.

Ich bin extra von Basel nach Wiesbaden gefahren (330 km) und anschliessend wieder zurück und ich würde noch viel weiter fahren um nochmals ein solches Konzert anzuhöhren. (Christoph M.)
 

 
www.dkrall.de

suchen/search

 

Konzert Rückblick
 

Diana Krall – live im Wiesbadener Kurpark, Rheingau Musik Festival, 23. Juli 2003
"You are such a kind audience!"

Festival-Konzerte haben stets einen ganz eigenen Charakter. Komplette Gebäudetrakte werden in VIP-Bereiche umgewandelt. Reversbeschildertes Personal und langschürzige Kellner sorgen für die Verdreifachung des obligatorischen kulinarischen Rahmenangebots – besonders in Form von Schaumwein und Champagner in rauen Mengen. Und die zwei vorderen Reihen des Auditoriums sind nicht etwa von den enthusiastischsten Musikfans besetzt. Stattdessen werden sie von einer Riege eher unbarmherzig wichtig dreinblickender lokaler Größen aus Politik und Wirtschaft in Beschlag genommen, denen allein deshalb die Ehre gebührt, die derzeit größte und populärste Jazzmusikerin aus allernächster Nähe beobachten zu dürfen – ob die Musik fesselt, gefällt und berührt oder nicht.

Dass dies anlässlich Diana Kralls einzigem Deutschland-konzerts dieses Sommers bei Idealwetter im Wiesbadener Kurpark vor der Kulisse des pompösen Kurhauses nicht würde anders sein, davon konnte von Beginn an ausgegangen werden.

Sie legte los, wie sie seit nunmehr drei Jahre loslegt, mit „I Love Being Here With You“, der rasanten Peggy-Lee-Nummer. Nichts könnte ein Diana Krall Konzert besser eröffnen. Bereits erprobte Live-Krallisten sind binnen Sekunden in den bekannten Strudel der musikalischen Aura dieser Künstlerin geraten, aus dem man für die darauffolgenden 90 Minuten nicht mehr ausgespukt werden möchte. Novizen, die erstmalig einer krallschen Bühnenshow beiwohnen, werden sogleich wachgerüttelt aus ihren Erwartungen einer allzu schmusigen Jazz-Balladerie, auf die man sich nach zu exzessivem Genuss des jüngsten Studio-Albums „The Look Of Love“ bereits innerlich eingestellt hatte.
Nichts dergleichen. Auf diesem Band-Stand wird virtuose Spielfreude an den Tag gelegt. Harte Arbeit, die Spaß macht. Gemeinsam mit Schlagzeuger Jeff Hamilton, Gitarrist Anthony Wilson und – seit langem mal wieder dabei – Bassist Paul Keller, zeigte Diana Krall wo sie herkommt („All Or Nothing At All“, „East Of The Sun - And West Of The Moon“) und wo sie hinwill („Almost Blue“, „I’m Walking“ – die einzigen bisher unveröffentlichten Songs des Konzerts). „Broadway“ (Woode/McRae/Byrd), auf ihrem 95er Album „Only Trust Your Heart“ als low tempo Nummer eingespielt, erfuhr ein spannendes Neuarrangement und wurde in einer flotten Swing-Version vorgetragen. 

Ihre Begleit-Musiker – „all band leaders in their own right“, wie sie selbst betonte - sind einmal mehr ganz offensichtlich Teil eines Gesamtkunstwerks, das dort auf der Bühne alte Songs frisch interpretiert und so in neue Bahnen des Jazz führt, ohne sie modernisieren zu wollen. Ein intellektueller Ansatz, der viel mit Dianas persönlicher Herangehensweise an ihr Repertoire zu tun hat. Sie öffnet sich gerade soweit, wie es ihre unbestrittene Schüchternheit zulässt und gewährt so dem Zuhörer einen Zugang dazu, sich selbst in den Liedern wiederzufinden, ohne dass sich die Interpretin diesem Prozess mit ihren eigenen ausgebreiteten Empfindungen in den Weg stellt. Oftmals wird diese Distanzierung als Kälte oder gar Arroganz missinterpretiert. Nicht zuletzt scheint der Funke zwischen den Musikern stets als erstes überzuspringen, bevor sich das Publikum mit einem Fingerzeig á la „Hallo, wir sind auch noch hier!“ zu Wort melden darf. Viele Auftritte vermitteln dem Publikum eher das Gefühl eines Privilegs, dabei sein zu dürfen, wenn sich diese hochtalentierte Jazz-Pianistin/Sängerin mit ihren Jungs zu einer zweistündigen Session zusammenfindet, als dass sie sich vorne an die Rampe stellt und verkündet „Wir spielen Euch jetzt mal was vor.“

In Wiesbaden mag es tatsächlich einige enttäuschte Gesichter gegeben haben. Nur eine Zugabe („S’Wonderful“), zu wenig Interaktion mit dem Publikum – abgesehen von dem Augenblick in dem sie sich mehrfach für das freundliche Zuhören bedankte, was großes Gelächter auslöste ob der geradezu kindlichen Bescheidenheit dieser Aussage: „It’s open air. I’m not used to seeing the audience. I’m very shy.” War ihre amüsante Entschuldigung. Aber wer Diana kennt, weiß, dass sie für ihre angenehm unprätentiöse Art oft mit der Vernachlässigung eines gewissen Show-Effektes bezahlen muß.

Drummer Jeff Hamilton, seit je her unser besonderer Liebling, begeisterte mit grandiosen Soli und sorgte besonders im rasend-schnellen aber immer punktgenauen „Devil May Care“ für einen von vielen wohlverdienten stürmischen Beifallsausbrüchen. Und an der Gitarre schien der begnadete Anthony Wilson seine bekannte Virtuosität noch um einige Einheiten hochgeschraubt zu haben. Paul Keller bearbeitete den Bass in zahlreichen Solo-Teilen so einfallsreich, dass selbst Diana vor lauter Staunen das eine oder andere Mal ihren Einsatz beinahe um Haaresbreite verpasst hätte. Die Sängerin Krall ließ der Pianistin Krall viel Freiraum für Improvisation. Ihr Klavierspiel ist noch reicher geworden – reicher an Varianten, interessanter musikalischer Zitate, cleverer Tempi-Wechsel und Klangfacetten. Ihre einzige Solonummer an diesem Abend, Elvis Costellos „Almost Blue“, war zudem ein Ausdruck vollkommener Einheit und beinahe emotionaler Bindung von Stimme und Klavier, was diese anrührend tragische Ballade sicher zu einem Highlight des Konzerterlebnisses machte.

Eine großartige Truppe also. Jeff Hamilton bestand darauf, trotz Hitze sein Jackett anzubehalten und gestand mir anschließend grinsend, dass er so einfach viel besser aussähe. An Diana selbst scheint der derzeitige Tour-Stress beinahe spurlos vorbeizuziehen. Sie freue sich einfach nur, aufzutreten, weil ihr der Job riesigen Spaß macht – aber nicht überall sei das Essen so fabelhaft wie in Wiesbaden. Dennoch ist sie bereits wieder unterwegs nach Italien, wo am 25. Juli das nächste Konzert (in Lucca) stattfindet. Italien gefiele ihr übrigens ganz ausgezeichnet. Und vielleicht sitzen dort in der ersten Reihe auch endlich wieder begeisterte Jazz-Fans...

nvm

Das Konzert in Wiesbaden wurde am 29.08.2003 im Hessischen Rundfunk (hr2 - Radio) gesendet.

Konzert-Fotos

 

 


© 2001- by nadworks | nadja von massow -- alle Rechte vorbehalten. Dies ist eine inoffizielle Website. Bei Fragen zu oder technischen Problemen mit diesen Internetseiten, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. -- Bitte lesen Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.